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Love Kills!-Tourtagebuch 2000



Donnerstag 31.08. in einem kleinen Ort im Odenwald...
Ein typischer Tag 1, wenn man vom Auftaktkonzert letztes Wochenende in England absieht, auf der kommenden Tour: absolute Hektik ist nochmal angesagt um die letzten Vorbereitungen zu treffen und Besorgungen zu machen. Doch irgendwie scheint es auch so, als drehe man sich nur noch im Kreise und ist eigentlich doch nur damit beschäftigt alles zum hundertsen Male durchzusehen um festzustellen, daß ja doch schon alles eingepackt ist. Irgendwie erinnerte mich das ganze ein wenig an die Schulausflüge der Grundschule kurz vor der Abfahrt, nur daß die "Mitzubringen ist:"-Liste nicht vom Tourmanagement 2 Wochen vor Abreise an unsere Eltern ausgehändigt wurde. Warum auf dieser neben "1x Zahnbürste" "1x Bettwäsche", die "Handtücher" undbedignt "weiß" sein müssen, ist mir trotz zunehmendem Alters verborgen geblieben...
Die Planung für den Abreisetag war so angedacht, daß sich Band und Crew Donenrstagabend gegen 19 Uhr bei mir zu Hause trifft um sich nochmal beim Grillen zu stärken - zumal für einige wieder abzusehen war, daß man die nächsten Tage vom Catering-Service vor Ort wieder zu 90 Prozent mit Hühnerfrikasee und Reis, verköstigt wird...was sich jedoch nicht bestätigen sollte...
Recht pünktlich trafen auch alle ein. Da wohl die Hälfte jener aus der Umgebung stammte, brachte der Tourbus aus Hamburg den Rest der Crew pünktlich zum Essen. Während sich ein kleiner Teil über die letzten Vorbereitungen am Salat fachsimpelte, wurde der Bus mit Equipment und sonstigem Gepäck beladen und die Schlafkabinen gesichert. Zu versuchen sich einen strategisch günstigen Platz zu ergattern an dem des Kabinennachbars schnarchen nachts erträglicher ist, erweist sich zu früh dann doch als Fehlentscheidung.
Beim Beladen zeigt sich, daß Tetris-Spieler klar im Vorteil sind die unhandliche Lichttechnik und Instrumentencases zu verstauen, daß auch wirklich alles Platz findet.
Gestärkt nun entschied sich ein Teil der Gruppe nochmal für einen Abstecher nach Dieburg auf eine Electro-Gothic-Party. Nach Rückkehr von dieser war die Kacke schon am Dampfen: Ein gewisser Herr der Crew, der nicht genannt werden will und deshalb vorsichtig als Mister´ich konnt´s nicht halten´W. hatte mir in den Hof geschissen. Aber dies nur am Rande - im wahrsten Sinne des Wortes...Das Corpus Delicti wurde noch am Tatort gestellt und zu Beweiszwecken fotografiert. Abfahrt gen Osten gg. 3 Uhr. Zwischenstopp in Frankfurt um Marco´Baccardi´, den letzten Fehlenden zur Vervollständigung der Crew, einzuladen.
Nach kurzer Zeit legte man sich erstmal schlafen, während Egon´Bussi´Busfahrer das "Kind schon schaukelte".
Freitag 01.09. BERLIN: Beim Erwachen waren wir bereits am Auftrittsort und Daniel und Michael waren bereits kräftig am Ausladen der Technik. Im Club wurde eine ausrangierte Schaufensterpuppe entdeckt und direkt für den Stage-Betrieb verhaftet. Nach dem Auftritt einigte man sich auf eine Ablösesumme von 2 T-Shirts und 2 CDs gegenüber dem vermeindlichen Besitzer für das neue Bandmitglied. Das Berliner Publikum zeigte sich dankbar und wir fragten uns eine Zeit lange warum wir dort die letzten drei Jahre keinen Auftritt mehr ablieferten. Ein gelungener Tourauftakt jedenfalls. Als Gast konnte man u.a. Eskil von Covenant mit Freundin begrüssen, der kürzlich erst nach Berlin zog und uns bereitwillig noch in diverse Clubs später einlud, was wir jedoch dankend abluden und es vorzogen die anschließende Party im Kesselhaus noch mitzunehmen. So hieß es gg. 6 Uhr morgens: "Abfahrt nach Magdeburg, alles einsteigen!"...hat nur noch "die Fahkarten bitte!" gefehlt. Nun gut man muß es ja nicht am ersten Abend (bzw. Morgen) schon auf die Spitze treiben - hat ja noch über 2 Wochen vor sich.
Samstag 02.09. Magdeburg / FACTORY Die Location hatte man von der 97er Tour noch in guter Erinnerung, so daß man getrost gegen halb 11 abends auf die Bühne ging und mit den Besuchern zusammen das Gute Gefühl von damals bestätigen konnte. Magdeburg ist ja auch die nähere Heimat von ISC Seitenprojekt Controlled Fusion-Member Steffen, der es sich nicht nehmen ließ, bei der dritten Zugabe "Hidden thoughts", auf die Bühne mitzukommen und Livekeyboards zu spielen, was ihm nicht besonders schwer fiel, da er den Löwenanteil am usprünglichen Titel schrieb. Die zweite Nacht im Bus wurde während der Fahrt dann auch genutzt um die Vorteile eines Nightliners auszukosten. Dieser Verfügte neben unauffälligeren Einrichtungen wie Klimaanlage oder Mikrowelle vor allem über Playstation, TV, Video, Hi-Fi und den ganzen Krempel und läßt dann doch ein wenig "Popstar"-Feeling aufkommen. Daß bei Fahrtbeginn die Spiele für die Konsole vergessen wurden bzw. gar nie vorhanden waren, stieß auf Unverständnis, um es gelinde auszudrücken, so daß hier Abhilfe geschafft werden mußte und ein sogenannter Runner losgeschickt wurde um die Spielsüchtigen zu befriedigen.
Sonntag 03.09. LAHR / Universal dog In Lahr angekommen wurde zunächst die Euphorie der vergangenen Tage ein wenig gedämpft beim Anblick des Kleinen Clubs des Universal Dog. Doch durch eine spaßige, mehrstündige Jam-Session zwischen Band und Crew an den Keybaords und Drums war der abend jedoch für alle fast schon im Vorfeld, durch die entstandene gute Laune, wieder gerettet. Am Abend kamen wie erwartet auch ein großer Teil französischer Fans angereist, die die Stimmung anzuheizen wussten und über einen geringen Zuschaueranteil hinwegtrösteten.
Montag 04.09. Höchst / DAY OFF Der aus dem Odenwald stammende Teil der Crew nutzte den "offenen" Tag direkt um nach Hause zu gehen, die HH Crew nahm sich morgens einen Mietwagen um auch eine Nacht im eigenen Bett zu verbringen. Bussi-Egon wurde das Beste Hotel der Stadt gebucht, um auch ihm etwas Luxus und Entspannung zu gönnen, welche er sich mehr als verdient hatte. Eine längere Fahrt begann gegen 3.45 Richtung Osten, die durch die lange Kalkofe Nacht per Video versüßt wurde....die Folge mit der Flasche Schwibbb-Schwabbb aus Aktenzeichen-XY suchte man jedoch vergebens, brachte aber den Videorekorder sowie die Nerven der Zusehenden, durch planloses hin-und´es war dann doch weiter vorne´her-spulen zum glühen.
Dienstag 05.09. Leipzig / Moritzbastei In Osterfeld wurde der Bus, der ja bekanntermaßen bereits den Namen Big-Brother-Bus erhielt, auch als solcher kenntlich gemacht. Mit überdimensionalen BB Aufklebern, die Marco extra in seiner Werbeagentur am freien Tag ("he marco, was machst du denn hier, ich denke du hast urlaub!") entwarf und zum Druck brachte.
Die Leipziger Moritzbastei besticht durch eine wirklich sehr angenehme Ausstrahlung und alle fühlten sich hier doch sehr wohl. Entspannter Soundcheck. Supportband "Loose Contact" aus der näheren Umgebung. Trotz eines Dienstagabends fanden sich doch eine Menge Leute ein und gestalteten uns allen einen angenehmen Abend.
Mittwoch 06.09. Neuzelle / Schützenhaus Für die ca. 250km von Leipzig nach Neuzelle benötigte der Bus sage und schreibe ganze 6 Stunden a uf der noch etwas maroden Bundesstraße, auf die zurückgegriffen wurde, da der Weg dorthin per Autobahn ca. 170km weiter
gewesen wäre...jedoch sicherlich einige Stunden kürzer und für die schlafende Gesellschaft im Bus auch als solche angenehmer - immer diese Besserwisser. Ich schaffte mal wieder meinen Rekord im Lange Schlafen gegenüber den anderen zu verteidigen, was mir auch während der gesamten Tour nicht schwer fiel. Der Bus war also bei meiner ´Wiederaufserstehung" bereits entladen und die Techniker fest an der Arbeit. Das Schützenhaus erwies sich als sehr human angesichts solcher Preise auf der Speisekarte, die den Geldbeutel glücklich machen und wir anfingen zu rechnen ob es sich lohnt für eine "Kalbshaxe Florida" vom Odenwald mal eben mittags hierher zu kommen. Es kamen auch Überlegungen ob wohl mit den Preisen Euro gemeint waren...allerdings wurde die Schonung des Geldbeutels damit wetgemacht, daß die Handys bereits im Polnischen Netz waren und somit telefonieren zum Luxus machten.
Nach zunehmend guter Stimmung auf dem Konzert verweilte man noch eine halbe Ewigkeit am Merchandise-Stand mit einigen Fans, bevor man sich dann endgültig auf die Weiterreise begab.
Donnerstag 07.09.Hannover / Faust In Hannover machte man sich als erstes auf den Weg um teilweise defektes Equipment im Musikladen zu erneuern, während die anderen erste Krankheitserscheinungen ans Tageslicht brachten - wie immer nach einigen Tagen auf Tour. Es war also nur noch eine Frage von Stunden bis jene sich auch auf den Rest der Manschaft übertrug. Besonders. Jan (Zuckerpuppe von der Bauchtanzgruppe) kränkelte sehr und hat mittlerweile meine Flasche WickMediNight vergleichsweise leer leergetrunken wie Marco seine alltägliche Bacardiflasche. Da der abend ohne Aftershowparty zu Ende ging, machte man sich früh auf den Weg - auch wenn sich alle erst noch als "Autoschieber" beweisen mußten, da das Wohnviertel um das "Faust" doch etwas eng zugeparkt war.
Freitag 08.09.Bielefeld / PC69 Wieder ein Gig vor dem man im Vorfeld eigentlich gewarnt und dann doch eines Besseren gelehrt wurde. Hervorragende Stimmung! Als Gäste waren unter anderem Funker Vogt wie auch Scheubi von Pitchfork, mit K., angereist, die zusammen mit allen eine feucht-fröhliche Aftershowparty geniessen konnten.
Samstag 09.09.Hamburg / Markthalle Den Mittag über drehte man zusammen mit der Crew der Crazy Clip Show ein paar Spots zu gleichnamigen Sendung für einen Hamburger Fernsehsender. Show wie auch anschließende Return-of-the-living-dead party gingen nicht spurlos vorüber und die Kolone kam wieder ins Rollen.
Sonntag 10.09.Essen / Zeche Carl Heute gestaltete es sich recht schwierig noch kurzfristig eine Supportband zu finden, was dann jedoch glücklicherweise noch gelang. Der Act besaß dann auch noch dazu keinen Namen, machte seine Sache aber durchaus gut, wenn auch für einige zu krachig und extrem. Heute wurde die Band auch zum ersten Male auf dieser Tour mit BHs aus dem Publikum beglückt, wobei die Frage offen blieb, warum man denn im Ruhrgebiet Geschenkpapier ohne Inhalt weggibt...
Montag 11.09. Dienstag 12.09. Die Grippe hat nun endgültig zugeschlagen und legte einen größeren Teil der Crew dann doch schon vorab außer Gefecht, so daß wir leider den Paris Termin canceln mußten. Das Tourmanagement versuchte also mit der restlichen Stimme die noch herauszubringen war, den örtlichen Veranstalter zu informieren und Ideen für einen Ersatztermin zu sammeln. So hatten alle erstmal 2 freie Tage um sich etwas zu regenerieren bevor es dann zum Entspurt auf die letzten fünf Konzerte ging.Mittwoch 13.09. München / Feierwerk Abfahrt für die Odenwälder morgens um 6 Uhr - die restliche Crew kam mit Mietwagen bzw. Flieger direkt nach München ins Feierwerk. Unter den Gästen heute Abend: yelworC, :wumpscut: und einen ganzen Schwarm Amerikaner, die extra anreisten. Als speziellen Livesupport konnte man Noisex gewinnen. Die Halle füllte sich zunehmendst und durch eine Nicht-Vorhandene Klimaanlage, war der Laden frühzeitig am kochen. München zeigte sich vorbildlich und ließ die Gedanken an den etwas "verloreren" Auftritt von 1997 verstreichen. Nach dem Gig gings weiter über Österreich in die Schweiz - die Grenze passierte man ausnahmsweise problemlos und erreichte Zürich sicher in den Morgenstunden.
Donnerstag 14.09.Zürich / Abart Die Hälfte der Crew machte eine Stadtbesichtigung, währen ich es vorzog, meinen Rekord im Langeschlafen zu verteidigen. Stimmung passte sich der Temperatur an und Zürich widersprach dem Vorurteil die Schweizer seien etwas träge. Zu Bemerken sei auch noch das hervorragende Essen im Club, das an dem Abend neben den Herzen, auch die Mägen füllte. Nach Klasse Aftershowparty, inklusive Domina-Bekanntschaften, machte man sich auf den Rückweg nach Good-old germany und den recht weiten Weg bis nach Erfurt. An der A-Grenze konnte man nach kurzem Check passieren.
Freitag 15.09.Erfurt / Centrum Durch die lange Busfahrt und vor allem das letzte Stück hindurch einem Wulst von Baustellen, kam ich erst in Erfurt selbst richtig zum Schlaf und stand erst gg. 15-16 Uhr auf der Matte. Nach kurzem Soundcheck ging es durch die
Erfurter Altstadt zum Essen-Fassen. Ein zu weiter Weg für eine geschlauchte Mannschaft, so daß es zu Seitenstechen kam. Dieses Gefühl, das ich meines Wissens das letzte mal bei den Bundesjugendspielen in den 80er Jahren hatte.
Samstag 16.09.Dresden / Strasse E Am vorletzten Tage der Tour waren wir uns wie an keinem Tag zuvor mehr bewußt welche Anstrengungen eine solche doch mit sich bringen. Dresden ließ sich zahlreich blicken und feierte bis spät noch in die Nacht hinein. Wärend es nun um die letzte Nachtfahrt für die Crew ging, wurde man doch etwas nachdenklicher darüber, ob man sich nun freuen kann, wieder nach Hause zu kommen oder traurig, daß morgen nun alles vorbei ist...
Sonntag 17.09. Frankfurt / Batschkapp Eigentlich Heimspiel - was die Gästeliste an diesem Tage auch zum überlaufen brachte. Mit einem gelungen, mit einigen netten Anekdoten angereicherter, Auftritt verabschiedete man sich vom Tourleben vorerst. Obwohl man mit einem etwas unsicheren Gefühl auf die Bühne ging; das lag jedoch weniger am Publikum, sondern vielmehr an der Tatsache, daß die Crew der Band am Ende einer Tour immer noch einen letzten Abschiedsstreich spielt und wir zwar den ganzen Tag von hämischen lächeln und Tuscheleien seitens der "Bösen" begleitet wurden, jdeoch nicht im geringsten eine Ahnung hatten was uns erwartet. Gott sei Dank, blieben diese im Rahmen, sprich nach nicht-gefüllten-Getränkeflaschen und klatschnassen Handtüchern, war dann alles gelaufen. Nach Stundenlangen Verabschiedungen verschwanden dann die Crew als kleiner Punkt am Horizont während wir uns in den schönen Odenwald zurückzogen und den "Schlaf der Gerächten" führten...Am nächsten Morgen war glaube ich allen ganz schnell wieder klar, die Realität hat uns wieder...schade.
Großes Lob und Dank an dieser Stelle allen, die diese Tour so fantastisch ermöglicht haben, sprich: unserer Crew und Tourneemanagement: Jan, Daniel, Michael, Sören, Shake, Sed, Torben, Albert, Egon dem Orkus Magazin für die Präsentation, den örtlichen Veranstaltern und allen voran natürlich unseren Fans - wir hoffen ihr haltet die Konzerte in ählich schöner Erinnerung wie wir...
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